Geführter Konvoi Weser-Elbe-Wattfahrwasser

von hucke am 25. Januar 2019

in Wattfahrt/Wattsegeln,Revier-INFOs

Elbe-Weser-Wattfahrwasser: Erste Erfahrungen eines Motorbootfahrers mit dem Wattenmeer
Autoren: Landesverband Motorbootsport Niedersachsen (LMN), Frank Dettmering (Erfahrungsbericht) und Soltwaters
Fotograf: Frank Dettmering

Ab 2019 wird die Schleuse in Otterndorf erneuert. Dies führt dazu, dass die durchgehende Befahrung des Hadelner Kanals einige Jahre nicht möglich sein wird. Um nicht über den Mittellandkanal in die Elbe zu fahren, bleibt den Motorbootfahrern, die nicht zuviel Tiefgang haben, der klassische Weg über das Elbe-Weser-Wattfahrwasser. Im Jahr 2018 erfolgte der erste Test, ob geführte Konvois von der Weser zur Elbe und umgekehrt, mit einer Übernachtung in Dorum möglich sind.

Ein Motorbootfahrer berichtet von seiner Erfahrung mit dem Törn.

Unsere vom LMN und Soltwaters organisierte zweitägige Wattfahrt im Juni 2018

Was treibt einen Skipper aus dem Binnenland dazu, eine Strecke zu fahren, die nur wenige Stunden später von Fußgängern und Pferdegespannen überquert werden kann? Ist es die Wegeinsparung, die Furcht vor Schlechtwetter auf See, oder schlicht die Neugier?

Wir denken, es ist eine Mischung aus allem!

Wobei bei uns die Neugier überwog!

Also fuhren wir nach dem See-Stadtfest Bremerhaven mit weiteren 5 Booten und einem Guide Richtung Dorum. Nachdem wir das Fahrwasser der Weser verlassen hatten, wurde die Fahrrinne für uns immer schmaler, und unser Guide hielt uns an, hintereinander wie die kleinen Entchen zu fahren. Vier Seemeilen vor unserem Tagesziel ereilte uns ein Funkspruch, dass wir doch bitte langsam fahren sollen, weil ein havarierter Fischkutter in der Fahrrinne lag, und uns somit die Zufahrt zum Hafen versperrte. In der darauf folgenden halben Stunde nahm der Funk- und Telefonverkehr unseres Guides deutlich zu. Die Anspannung unseres Guides übertrug sich langsam auch auf uns, nachdem er äußerte: „Zum Umkehren ist es jetzt zu spät!“

Den havarierten Fischkutter in Sichtweite sahen wir, dass aus dem Hafen zwei weitere Fischkutter ausliefen, um ihren Kollegen zu bergen und uns eine Nacht im Watt zu ersparen. Die Bergung verlief erfolgreich, und wir erreichten noch rechtzeitig den Hafen, in dem wir freundliche Aufnahme fanden, und uns Liegeplätze zugewiesen wurden. Als die Ebbe eintrat, fielen wir mit unseren Booten sanft in den Schlick, so dass letztendlich der Hafen samt ausgeprickter Zufahrt wasserlos war.

Am nächsten Tag ging es mittags mit neuem Guide nach Cuxhaven. Leichter Ostwind und unser Tiefgang von 1,35m veranlasste unseren Guide, sich erst einmal beim WSA kundig zu machen, wie hoch die nächste Flut Eintritt. 10 cm über mittlerem Hochwasser, er sagte: „Das wird knapp, aber es reicht, wir müssen nur früh genug losfahren!“

Als wir den Hafen in die ausgeprickte Fahrrinne verlassen wollten, lag dort ein Sportboot-Kollege mit seinem Boot halb im Wasser, halb auf Land. Schon wieder war die Fahrrinne versperrt! Leider nahm der Havarist den Rat unseres Guides nicht an, sich ruhig zu verhalten und mit steigendem Wasser automatisch wieder frei zu kommen, sondern versuchte sich mit all seiner Maschinenkraft von der Sandbank zu lösen. Dies behinderte unsere Gruppe so sehr, dass zwei Boote von uns ebenfalls auf Grund liefen, und wir letztendlich durch die Unvernunft eines einzelnen 45 Minuten verloren. Die weitere Fahrt danach verlief zunächst problemlos; Pricken rechts, Pricken links, 90-Grad-Kurven, aber dann ein Guide, der immer mehr Schweißperlen auf der Stirn bekam. Und dann lag sie vor uns: Die flachste Stelle, der Wattwanderweg nach Neuwerk! Diese Stelle hätten wir eine Stunde vorher passieren müssen! Mit der Wahrscheinlichkeit im Gepäck, hier erst in 10-11 Stunden wieder weiter zu kommen, machten wir uns auf den Weg, dieses 500 Meter breite Stück hinter uns zu lassen. Mit kleiner Fahrt, um uns nicht selbst das Wasser unter dem Kiel weg zu ziehen, und dauerhafter Bodenberührung im weichen Sand gelang es uns in zähen Minuten, dieses Teilstück zu passieren. Groß war der Jubel auf allen Booten, als wir die nächste Prickenreihe erreichten! Nun war das Elbe-Fahrwasser nicht mehr weit, und das Ende unseres Konvois, Cuxhaven, in Sicht. Beim gemeinsamen Abendessen in Cuxhaven saßen 5 stolze Crews am Tisch, und waren glücklich darüber, gut und heile in Cuxhaven angekommen zu sein!

Gedanken des LMN zu den geplanten, geführten Wattenmeerfahrten

Das niedersächsische Bootsrevier besteht aus den großen Flüssen, Ems, Weser, Elbe und den vielen Kanälen, die diese Flüsse im Binnenland miteinander verbinden so wie der Küste, wo sich die Flüsse letztlich vereinen. Hier im Mündungsgebiet dieser Flüsse, mitten im Welt-naturerbe Wattenmeer, bestimmen die Gezeiten mit Ebbe und Flut die Befahrbarkeit dieses Reviers.

Das Befahren dieses Reviers setzt schon eine gewisse Kenntnis über die Gezeiten, das Befahren von strömenden Gewässern und auch den richtigen Umgang mit Pegeln und Seezeichen voraus. Um diese Kenntnisse zu erlangen, bietet bereits seit mehr als 10 Jahren der Landesverband Motorbootsport Niedersachsen e.V. interessierten Bootssportlern das Praxistraining Wattenmeer an. Dieses Training beginnt mit der Vermittlung der theoretischen Kenntnisse und endet mit der Schiffsfahrt im Wattenmeer, wo das Erarbeitete in Realität umgesetzt wird.

Die Skipper, die sich anschließend bei ihrer ersten Fahrt mit dem eigenen Boot in diesem Revier noch etwas unsicher fühlen, können an den geführten Fahrten des LMN teilnehmen. Diese werden schon seit vielen Jahren zwischen Wilhelmshaven und Bremerhaven über die Kaiserbalje und dem Mittelpriel angeboten.

Wie wir wissen, wird die Schleuse Otterndorf erneuert und der Binnenweg Elbe-Weser kann von den Skippern in den nächsten Jahren für eine Durchfahrt nicht genutzt werden. Aus diesem Grunde bieten der LMN und „Soltwaters“ gemeinsam in der Saison eine geführte Wattenfahrt zwischen Weser und Elbe an. All die Bootssportler, die den Weg über die offene See meiden möchten, haben hier die Gelegenheit, nicht nur Erfahrungen zu machen, sondern das Revier unter behüteten Voraussetzungen zu wechseln. Diese Fahrt wurde im Sommer 2018 mit einem Teil der Boote des LMN-Konvois erfolgreich und zur Zufriedenheit der Teilnehmer getestet. Nun sehen Soltwaters und der LMN der kommenden Saison positiv entgegen.

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